Dienstanweisung Perinatal: Unterschied zwischen den Versionen
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== Einleitung == | == Einleitung == | ||
Blutgruppenbestimmung und Kreuzprobe unterliegen bei Neugeborenen teilweise anderen Grundsätzen. | |||
== Blutgruppenserologische Untersuchungen bei Neugeborenen == | |||
Bei jedem Kind einer Rh-negativen Mutter sind unmittelbar nach der Geburt in der Regel aus dem Nabelschnurblut eine Blutgruppenbestimmung und ein direkter Coombs-Test durchzuführen. Die Ursachen eines positiven Coombs-Testes sind ggf. durch weitere Untersuchungen aus dem mütterlichen Blut abzuklären. Damit diese Abklärung möglichst rationell erfolgt, sind auf dem Anforderungsbeleg Angaben zur Blutgruppe einschließlich Rhesus-Gruppe und Anti-D-Prophylaxe der Mutter unbedingt erforderlich. | |||
Werden Neugeborene aus anderen Krankenhäusern zuverlegt, so sollte veranlasst werden, dass '''1 x 10 ml Nativblut der Mutter,''' das keine Zusätze enthalten darf, mitgegeben werden. Das Blut der Mutter dient zur Abklärung auffälliger blutgruppenserologischer Befunde beim Kind und kann ggf. auch zur Kreuzprobe für eine evtl. erforderliche Transfusion beim Kind verwendet werden. | |||
== Anti-D-Prophylaxe bei Rh negativen (D negativen) Frauen == | |||
D negative Frauen müssen nach jeder Geburt eines D positiven Kindes, nach Früh- und Fehlgeburten, extrauteriner Gravidität, Schwangerschaftsabbruch, Amniozentese, Nabelschnurpunktion, nach Wendungs- operationen, Chorionzottenpunktion und anderen Eingriffen, die eine Einschwemmung von Erythrozyten des Feten in den Kreislauf der Mutter bewirken können, zur Verhütung einer Anti-D-Sensibilisierung möglichst innerhalb von 72 h eine Standarddosis Anti-D-Immunglobulin erhalten. Anti-D-Immunglobulin muss selbst dann appliziert werden, wenn nach der Geburt schwach reagierende Anti-D-Antikörper bei der Mutter gefun-den worden sind und/oder der direkte Coombs-Test beim Kind schwach positiv ist, da diese Befunde durch die präpartale Anti-D-Prophylaxe bedingt sein können. | |||
Auch nach Ablauf von 72 h soll auf eine Anti-D-Gabe nicht verzichtet werden (ggf. in höherer Dosierung). Gaben am Tag 4 oder 5 können noch hilfreich und effektiv sein, deshalb ist die Empfehlung, da noch zu therapieren, wenn es vorher vergessen wurde. | |||
== Fetale/neonatale Alloimmunthrombozytopenie == | |||
Bei Verdacht auf diese seltene fetomaternale Inkompatibilität, die durch plättchenspezifische Antikörper der Mutter gegen thrombozytäre Alloantigene des Feten verursacht wird und häufig bereits in der ersten Schwangerschaft auftritt, muss umgehend der zuständige Arzt des Blutdepots verständigt werden, damit möglichst frühzeitig die organisatorischen Maßnahmen für eine eventuelle Thrombozytapherese bei der Mutter eingeleitet werden können. | |||
== Besonderheiten der perinatalen Transfusionstherapie == | |||
# Früh- und Neugeborene, die wiederholt transfundiert werden müssen, sollten EK von möglichst wenigen Spendern erhalten. Aus diesem Grund können auf Anforderung aus einer „normalen" EK-Einheit „Baby-Beutel“ hergestellt und angefordert werden. | |||
# Zur Vermeidung einer GvHR werden Blutprodukte für Früh- und Neugeborene sowie für Säuglinge bis zum vollendeten 1. Lebensjahr mit einer Dosis von 30 Gy bestrahlt. | |||
Aktuelle Version vom 24. Februar 2025, 11:22 Uhr
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Einleitung
Blutgruppenbestimmung und Kreuzprobe unterliegen bei Neugeborenen teilweise anderen Grundsätzen.
Blutgruppenserologische Untersuchungen bei Neugeborenen
Bei jedem Kind einer Rh-negativen Mutter sind unmittelbar nach der Geburt in der Regel aus dem Nabelschnurblut eine Blutgruppenbestimmung und ein direkter Coombs-Test durchzuführen. Die Ursachen eines positiven Coombs-Testes sind ggf. durch weitere Untersuchungen aus dem mütterlichen Blut abzuklären. Damit diese Abklärung möglichst rationell erfolgt, sind auf dem Anforderungsbeleg Angaben zur Blutgruppe einschließlich Rhesus-Gruppe und Anti-D-Prophylaxe der Mutter unbedingt erforderlich.
Werden Neugeborene aus anderen Krankenhäusern zuverlegt, so sollte veranlasst werden, dass 1 x 10 ml Nativblut der Mutter, das keine Zusätze enthalten darf, mitgegeben werden. Das Blut der Mutter dient zur Abklärung auffälliger blutgruppenserologischer Befunde beim Kind und kann ggf. auch zur Kreuzprobe für eine evtl. erforderliche Transfusion beim Kind verwendet werden.
Anti-D-Prophylaxe bei Rh negativen (D negativen) Frauen
D negative Frauen müssen nach jeder Geburt eines D positiven Kindes, nach Früh- und Fehlgeburten, extrauteriner Gravidität, Schwangerschaftsabbruch, Amniozentese, Nabelschnurpunktion, nach Wendungs- operationen, Chorionzottenpunktion und anderen Eingriffen, die eine Einschwemmung von Erythrozyten des Feten in den Kreislauf der Mutter bewirken können, zur Verhütung einer Anti-D-Sensibilisierung möglichst innerhalb von 72 h eine Standarddosis Anti-D-Immunglobulin erhalten. Anti-D-Immunglobulin muss selbst dann appliziert werden, wenn nach der Geburt schwach reagierende Anti-D-Antikörper bei der Mutter gefun-den worden sind und/oder der direkte Coombs-Test beim Kind schwach positiv ist, da diese Befunde durch die präpartale Anti-D-Prophylaxe bedingt sein können.
Auch nach Ablauf von 72 h soll auf eine Anti-D-Gabe nicht verzichtet werden (ggf. in höherer Dosierung). Gaben am Tag 4 oder 5 können noch hilfreich und effektiv sein, deshalb ist die Empfehlung, da noch zu therapieren, wenn es vorher vergessen wurde.
Fetale/neonatale Alloimmunthrombozytopenie
Bei Verdacht auf diese seltene fetomaternale Inkompatibilität, die durch plättchenspezifische Antikörper der Mutter gegen thrombozytäre Alloantigene des Feten verursacht wird und häufig bereits in der ersten Schwangerschaft auftritt, muss umgehend der zuständige Arzt des Blutdepots verständigt werden, damit möglichst frühzeitig die organisatorischen Maßnahmen für eine eventuelle Thrombozytapherese bei der Mutter eingeleitet werden können.
Besonderheiten der perinatalen Transfusionstherapie
- Früh- und Neugeborene, die wiederholt transfundiert werden müssen, sollten EK von möglichst wenigen Spendern erhalten. Aus diesem Grund können auf Anforderung aus einer „normalen" EK-Einheit „Baby-Beutel“ hergestellt und angefordert werden.
- Zur Vermeidung einer GvHR werden Blutprodukte für Früh- und Neugeborene sowie für Säuglinge bis zum vollendeten 1. Lebensjahr mit einer Dosis von 30 Gy bestrahlt.
