Dienstanweisung Transfusion FFP: Unterschied zwischen den Versionen

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Da die Kompatibilität aber nicht wie bei den Erythrozytenkonzentraten von den Blutgruppenantigenen, sondern von den im Plasma enthaltenen Isoagglutininen (Anti-A und/oder Anti-B) beeinflusst wird, gelten für die Kompatibilität andere Regeln als für Erythrozytenkonzentrate!
Da die Kompatibilität aber nicht wie bei den Erythrozytenkonzentraten von den Blutgruppenantigenen, sondern von den im Plasma enthaltenen Isoagglutininen (Anti-A und/oder Anti-B) beeinflusst wird, gelten für die Kompatibilität andere Regeln als für Erythrozytenkonzentrate!


=== Verträglichkeit AB0-ungleicher Frischplasmen ===
=== <u>Verträglichkeit AB0-ungleicher Frischplasmen</u> ===
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|'''Blutgruppe des Patienten'''
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|'''erlaubte Blutgruppe des gefrorenen Frischplasmas'''
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Die Bestrahlung von FFP/GFP zur Vermeidung einer GvHD ist nach den Querschnitts-Leitlinien nicht mehr indiziert.
Die Bestrahlung von FFP/GFP zur Vermeidung einer GvHD ist nach den Querschnitts-Leitlinien nicht mehr indiziert.
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<span style="color:red;">Grundsätzlich sollten blutungsbedingte Gerinnungsstörungen allerdings gezielt therapiert werden!</span>
<span style="color:red;">Grundsätzlich sollten blutungsbedingte Gerinnungsstörungen allerdings gezielt therapiert werden!</span>


=== Unerwünschte Wirkungen nach Transfusion von FFP/GFP: ===
=== <u>Unerwünschte Wirkungen nach Transfusion von FFP/GFP:</u> ===
Folgende unerwünschte Wirkungen können auftreten:
Folgende unerwünschte Wirkungen können auftreten:


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# Übertragung von Infektionserregern (HBV, HCV, CMV, HIV)
# Übertragung von Infektionserregern (HBV, HCV, CMV, HIV)


[[Arzneimittelsicherheit - Paul-Ehrlich-Institut | https://www.pei.de/DE/arzneimittelsicherheit/arzneimittelsicherheit-node.html]]
[ [https://www.pei.de/DE/arzneimittelsicherheit/arzneimittelsicherheit-node.html Arzneimittelsicherheit - Paul-Ehrlich-Institut] ]
 
== Chargendokumentation ==
Bei den vom Blutdepot ausgegebenen FFP/GFP’s sind die Präparatenummern zusammen mit dem Transfusionsdatum in die Krankenakte einzutragen (= patientenbezogene Chargendokumentation). Die produktbezogene Chargendokumentation erfolgt durch das Blutdepot in der EDV. Ein Eintrag in die EDV der Apotheke ist nicht erforderlich.
 
== Indikation ==
Die Indikation für die Verabreichung von FFP/GFP ist auf dem FFP/GFP -Begleitschein zu dokumentieren. Falls die Indikationsstellung von den Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten abweicht, ist dies zu begründen.
 
=== <u>FFP/GFP-Gabe empfohlen</u> ===
 
* bei schwerem akuten Blutverlust und manifesten oder drohenden mikrovaskulären Blutungen in einer Dosierung von 15 – 20 ml/kg KG (= 5 TP bei 70 kg Patient)
* bei Patienten mit DIC und Koagulopathie und Quickwerten < 50 % und/oder Fibrinogenspiegeln < 100 mg/dl und schweren Blutungen in einer Dosierung von 20 ml/kg KG
* bei Pat. mit akuter TTP oder adultem HUS bis die Thrombozytenzahl > 100.000 /μl liegt im Rahmen eines täglichen Plasmaaustausches
* bei Pat. mit schwerem angeborenen FV-Mangel (Restaktivität < 5%) perioperativ, im Rahmen invasiver Eingriffe oder im Falle schwerer Blutungen in einer Dosierung von 15 – 20 ml/kg KG Ziel 15 – 20% Aktivität der Faktoren
* bei Pat. mit schwerem bzw. leichtem angeborenen FXI-Mangel und schwerer Blutungsneigung perioperativ oder im Rahmen invasiver Eingriffe, wenn lokale Maßnahmen (z.B. Fibrinkleber, Desmopressin oder Antifibrinolytika zur Blutstillung nicht ausreichen, in einer Dosierung von 20 ml/kg KG)
 
=== <u>Die Gabe von FFP/GFP ist nicht angezeigt</u> ===
 
* prophylaktische Plasmagabe bei akutem Leberversagen ohne Blutungskomplikationen zur Besserung der Diagnose
* prophylaktische Plasmagabe vor Leberpunktion, Parazentese, Thorakozentese oder Punktion zentraler Venen bei Patienten mit Hepatopathie oder Koagulopathie
* akute Pankreatitis
* Plasmatausch bei Guillain-Barre-Syndrom
* prophylaktisch postoperativ bei Patienten mit kardiopulmonalen Bypass-Operationen mit Quickwerten > 50 % und Fibrinogenspiegeln > 100 mg/dl.
* als Volumenersatz
 
=== <u>Kontraindikationen</u> ===
Patienten mit Plasmaunverträglichkeit, z.B. bei IgA-Mangel

Aktuelle Version vom 13. März 2025, 09:36 Uhr

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Anforderung von FFP/GFP (= TP Therapeutisches Plasma)

Die Bereitstellung von FFP/GFP setzt voraus, dass die Blutgruppe des Patienten bekannt ist. Nur im äußersten Notfall darf, bis die Blutgruppe bestimmt ist, FFP/GFP der Blutgruppe AB (=Universalplasma) transfundiert werden.

Blutkomponenten sind verschreibungspflichtige Arzneimittel. Die Anforderung von FFP/GFP im Blutdepot erfolgt für jeden Empfänger schriftlich (mit Arztunterschrift!) unter Angabe der klinischen Diagnose, der zeitlichen Dringlichkeit sowie des vorgesehenen Transfusionstermins durch den zuständigen Arzt. Stehen autologe FFP/GFP bereit, hat der zuständige Arzt dafür Sorge zu tragen, dass diese zuerst angefordert und transfundiert werden.

Auswahl der FFP/GFP (= TP Therapeutisches Plasma)

Die Auswahl geeigneter FFP/GFP erfolgt durch das Blutdepot. Nach Möglichkeit sollte AB0-gleich transfundiert werden. Bei Mangel an entsprechenden FFP/GFP (z.B. der Blutgruppe 0) können unbedenklich AB0-ungleiche, aber kompatible FFP/GFP (z.B. A oder B) transfundiert werden.

Da die Kompatibilität aber nicht wie bei den Erythrozytenkonzentraten von den Blutgruppenantigenen, sondern von den im Plasma enthaltenen Isoagglutininen (Anti-A und/oder Anti-B) beeinflusst wird, gelten für die Kompatibilität andere Regeln als für Erythrozytenkonzentrate!

Verträglichkeit AB0-ungleicher Frischplasmen

Blutgruppe des Patienten A B AB 0
erlaubte Blutgruppe des gefrorenen Frischplasmas A oder AB B oder AB AB 0, A, B oder AB

Die Bestrahlung von FFP/GFP zur Vermeidung einer GvHD ist nach den Querschnitts-Leitlinien nicht mehr indiziert.

Lagerung

FFP/GFP wird im Blutdepot bei < -30 °C bis zum Ende der Haltbarkeitsdauer gelagert und ausgegeben.

Vorbereitung der Transfusion

Auch für die Transfusion von FFP/GFP sind die Regeln der ärztlichen Aufklärungspflicht zu beachten (siehe Dienstanweisung zur Aufklärungspflicht vor der Transfusion von Blutkomponenten und Plasmaderivaten).

FFP/GFP dürfen erst unmittelbar vor der Transfusion aufgetaut werden. Falls die Frischplasmen in eine Plastikumhüllung eingeschweißt sind, ist diese beim Auftauen zu belassen und erst danach zu entfernen. Bei Rissen im Plasmabeutel wird sonst das Auftaugerät kontaminiert. Das Auftauen erfolgt an den entsprechenden Standorten der Erwärmungsgeräte und zwar- im OP bzw. auf der Intensivstation.

Stellen sich beim Auftauvorgang Defekte des Plasmabeutels heraus (Plasma läuft zwischen Beutel und Umhüllung), ist der Plasmabeutel mit seiner Umhüllung über das Blutdepot der Klinik zwecks Chargen-

Dokumentation in der EDV an den Blutspendedienst Oldenburg/Bremen zurückzuschicken.

Der Auftauvorgang im Blutdepot dauert für 2 FFP/GFP 20 - 30 min. Werden mehr als 2 FFP/GFP benötigt, verlängert sich die Auftauzeit entsprechend. Verzögert sich die Transfusion, so sind die FFP/GFP bei + 2 - 6 °C im Kühlschrank zu lagern, wobei es mit zunehmender Lagerzeit zu Qualitätsverlusten kommt!

TP, bei denen der Beutel undicht ist oder die nicht transfundiert wurden, sind in jedem Fall zur Chargendokumentation und sicheren Entsorgung an das Blutdepot zurückzugeben.

→ Auftauen im offenen Wasserbad ist verboten („Kunstfehler“)!

Aufgetaute Frischplasmen sind unverzüglich zu transfundieren!

Durchführung der Transfusion

Vor Beginn der Transfusion hat der transfundierende Arzt persönlich zu überprüfen, ob das FFP/GFP für den betreffenden Empfänger bestimmt ist, die Blutgruppe des FFP/GFP (Konservenetikett) dem Blutgruppenbefund des Empfängers entspricht oder zumindest kompatibel ist und die Konservennummer mit den Angaben im Begleitschein übereinstimmt. Darüber hinaus müssen das Verfallsdatum und die Unversehrtheit des Blutbehältnisses überprüft werden.

Eine serologische Verträglichkeitsprobe entfällt. Eine AB0-Kontrolle beim Patienten (Bedside-Test) ist jedoch unbedingt erforderlich. Der Rhesusfaktor bleibt bei Plasmatransfusionen unberücksichtigt. Eine Immunisierung ist mit Bildung von Anti-D-Antikörpern in seltenen Fällen durch die Erythrozytenreste im Plasma jedoch möglich.

Die Transfusion des FFP/GFP erfolgt über ein Transfusionsgerät mit Standardfilter (Porengröße 170 - 230 μm) möglichst über einen eigenen venösen Zugang. Über ein Transfusionsgerät, das maximal 6 Stunden gebraucht werden darf, können mehrere FFP/GFP verabreicht werden.

Eröffnete („angestochene“) FFP/GFP sind innerhalb von 6 Stunden zu transfundieren. Dem FFP/GFP dürfen keine Medikamente zugefügt werden.

Die Einleitung der Transfusion von Blutkomponenten erfolgt immer durch den transfundierenden Arzt. Während und nach der Transfusion ist für eine geeignete Überwachung des Patienten zu sorgen. Nach Beendigung der Transfusion ist das Behältnis mit dem Restplasma und dem Transfusionsbesteck steril abzuklemmen und 24 Stunden bei 2 – 6 °C aufzubewahren. Anschließend wird es als Hausmüll entsorgt.

Die anwendungsbezogenen Wirkungen sind durch geeignete Parameter (z.B. TPZ, PTT) zu überprüfen. Unerwünschte Wirkungen sind im Krankenblatt zu dokumentieren und ggf. zu melden.

Präparatespezifikation

Das an der UEK Aurich-Norden üblicherweise verwendete FFP/GFP ist quarantänegelagertes Plasma vom Einzelspender.

Die Volumina pro Transfusionseinheit liegen zwischen 200 - 250 ml (einschließlich Antikoagulanzlösung).

Dosierung von FFP/GFP (= TP Therapeutisches Plasma)

In gefrorenem Frischplasma sind alle Gerinnungsfaktoren und Inhibitoren enthalten, deren Aktivität bei konstanter Lagerungstemperatur (<- 30°C) entsprechend der ausgewiesenen Haltbarkeitsdauer des Präparates erhalten bleibt. Die Präparate müssen zumindest Raumtemperatur erreichen, damit die (pharmakologisch aktiven) Gerinnungsfaktoren in Lösung gehen. Die Beutel sind gewissenhaft auf Folienrisse zu überprüfen.

Die Dosierung richtet sich nach dem klinischen Bild und nach den Ergebnissen gerinnungs-physiologischer Untersuchungen.

Faustregel zur Dosierung:

1 ml FFP/GFP /kg Körpergewicht erhöht den Faktorengehalt um etwa 1 - 2% d.h. 1 FFP/GFP (200 ml) erhöht die TPZ bei einem 70 kg-Patienten nur um ca. 4 %.

FFP/GFP sollte schnell infundiert werden. Um eine hämostyptische Wirkung zu erreichen, sind beim Erwachsenen initial mindestens 3 - 4 FFP/GFP -Einheiten erforderlich. Eine Volumenüberlastung ist zu vermeiden. Werden mehr als 50 ml/min beim Erwachsenen appliziert, ist eine zusätzliche Kalziumgabe erforderlich.

Grundsätzlich sollten blutungsbedingte Gerinnungsstörungen allerdings gezielt therapiert werden!

Unerwünschte Wirkungen nach Transfusion von FFP/GFP:

Folgende unerwünschte Wirkungen können auftreten:

  1. Volumenbelastung, Zitratintoxikation
  2. allergische bzw. anaphylaktoide Reaktionen
  3. transfusionsinduzierte akute Lungeninsuffizienz (TRALI-Syndrom) (häufigste und gefährlichste unerwünschte Wirkung!)
  4. Übertragung von Infektionserregern (HBV, HCV, CMV, HIV)

[ Arzneimittelsicherheit - Paul-Ehrlich-Institut ]

Chargendokumentation

Bei den vom Blutdepot ausgegebenen FFP/GFP’s sind die Präparatenummern zusammen mit dem Transfusionsdatum in die Krankenakte einzutragen (= patientenbezogene Chargendokumentation). Die produktbezogene Chargendokumentation erfolgt durch das Blutdepot in der EDV. Ein Eintrag in die EDV der Apotheke ist nicht erforderlich.

Indikation

Die Indikation für die Verabreichung von FFP/GFP ist auf dem FFP/GFP -Begleitschein zu dokumentieren. Falls die Indikationsstellung von den Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten abweicht, ist dies zu begründen.

FFP/GFP-Gabe empfohlen

  • bei schwerem akuten Blutverlust und manifesten oder drohenden mikrovaskulären Blutungen in einer Dosierung von 15 – 20 ml/kg KG (= 5 TP bei 70 kg Patient)
  • bei Patienten mit DIC und Koagulopathie und Quickwerten < 50 % und/oder Fibrinogenspiegeln < 100 mg/dl und schweren Blutungen in einer Dosierung von 20 ml/kg KG
  • bei Pat. mit akuter TTP oder adultem HUS bis die Thrombozytenzahl > 100.000 /μl liegt im Rahmen eines täglichen Plasmaaustausches
  • bei Pat. mit schwerem angeborenen FV-Mangel (Restaktivität < 5%) perioperativ, im Rahmen invasiver Eingriffe oder im Falle schwerer Blutungen in einer Dosierung von 15 – 20 ml/kg KG Ziel 15 – 20% Aktivität der Faktoren
  • bei Pat. mit schwerem bzw. leichtem angeborenen FXI-Mangel und schwerer Blutungsneigung perioperativ oder im Rahmen invasiver Eingriffe, wenn lokale Maßnahmen (z.B. Fibrinkleber, Desmopressin oder Antifibrinolytika zur Blutstillung nicht ausreichen, in einer Dosierung von 20 ml/kg KG)

Die Gabe von FFP/GFP ist nicht angezeigt

  • prophylaktische Plasmagabe bei akutem Leberversagen ohne Blutungskomplikationen zur Besserung der Diagnose
  • prophylaktische Plasmagabe vor Leberpunktion, Parazentese, Thorakozentese oder Punktion zentraler Venen bei Patienten mit Hepatopathie oder Koagulopathie
  • akute Pankreatitis
  • Plasmatausch bei Guillain-Barre-Syndrom
  • prophylaktisch postoperativ bei Patienten mit kardiopulmonalen Bypass-Operationen mit Quickwerten > 50 % und Fibrinogenspiegeln > 100 mg/dl.
  • als Volumenersatz

Kontraindikationen

Patienten mit Plasmaunverträglichkeit, z.B. bei IgA-Mangel